Motorradimport

Am Morgen war es noch im Lager, am Abend fuhren wir auf den chilenischen Seitenstraßen eine erste kleine Tour in Richtung Santiago. Die BMW ging einen guten Monat vorher in Hamburg in das Lager zur Verschiffung. Nachdem das erste Schiff einen Defekt hatte, ging das Motorrad eine Woche später auf der MV Bodo Schulte über Zwischenstationen einschließlich des Panama-Kanals nach Valparaíso. In der Woche ab dem 13.4. wurde es dann Ernst.

Mit geringen Sprachkenntnissen und einigen Feuertaufen auf Spanisch (Tollwutimpfung Teil 3 erhalten, Motorradversicherung in Chile abschließen) hieß es um fünf Uhr aufstehen. Mit der ersten U-Bahn in Santiago zum Busterminal und dann im Bus nach Valparaíso, so dass ich um neun Uhr wie vereinbart beim Agenten für den Import eintraf. Iván erklärte mir die gesamte Prozedur auf Spanisch (da einfacher) und nach einigen Kopien von Ausweis und Dokumenten ging es mit ihm gemeinsam zum Zoll.

Mein Bild, das Motorrad aus dem Hafen zu holen und dort auszupacken, stellte sich als romantisiertes Trugbild heraus. Den gesamten Tag betrat ich kein einziges mal den Hafen. Im Zoll wurde problemlos und schnell das Importdokument abgestempelt, und damit lagen der Freigabe des Motorrads aus dem Lager an mich keine Hindernisse mehr im Weg.

Eine zweite Vorstellung, alles würde sich in Valparaíso abspielen, stellt sich wiederum als Trugbild heraus. Das Lager mit dem Motorrad befand sich 20 Kilometer zurück in Richtung an Santiago. Wie hinkommen? Hierfür erklärte mir Iván den Weg mit einem Colectivo.

Ein Colectivo ist ein Taxi, das als Gemeinschaftstaxi fungiert, feste Tarife für bestimmte Wegstrecken nimmt, einfach am Straßenrand angehalten werden kann und mehrere Personen transportiert. Ein Sammelpunkt für diese Colectivos war ein bestimmter Baum in der Nähe des Busbahnhofs, zu dem ich um zwei Uhr ging. Nach kurzer Zeit saß ich im Colectivo für unschlagbare 800 Pesos (1,20 EUR). Der Preis erhöhte sich nochmals, als sich ein Missverständnis um mein finales Ziel aufklärte. Nichtsdestotrotz lag es unter dem von Iván angekündigten Preis.

Diese Beobachtung bestätigt sich immer wieder. In Chile bin ich (jedenfalls bewusst) noch nicht übers Ohr gehauen worden. Auch als auffällig erkennbarer Tourist wird man bei Serviceleistungen genauso bedient wie Einheimische.

Im Lager hieß es dann erst einmal: Warten. Die um eins beginnende Mittagspause war erst um drei Uhr um. Dann ging es schnell und die Kiste wurde aus dem Lager und an eine ruhige Ecke zum Öffnen gebracht. Der Karton war schnell entfernt und eine erste Sorge stellte sich als unbegründet heraus. Das Motorrad war im gleichen Zustand wie bei der Versendung. Als nächstes kamen die Koffer dran, Gurte lösen und von der Palette nehmen. Schließlich das Motorrad. Nur wie bei dem Gewicht?

Hilfsbereitschaft und Neugier – zwei weitere Eigenschaften, die mir auf der Reise immer wieder begegnen, lösen das Problem. Zwei, drei LKW-Fahrer, die gerade dabei sind, ihre Ware aus dem Lager abzuholen, helfen beim Lösen der Gurte und den Herunterheben des Motorrads (250 – 300 kg) von der Palette. Danach war dem Anschließen der Batterie und dem Umsortieren und Anbauen der Kisten kein Hindernis mehr im Wege.

Damit aber noch nicht genug. Jetzt folgten noch weitere Schritte. Zum Einen das Einlagern der Kiste im Lager. Dann nochmals die Begutachtung des Motorrads durch den Zolls des Lagers, es wurde die Gestellnummer verglichen. Schließlich die Begleichung der Lagerkosten – auf die Vorausbezahlung musste noch hingewiesen werden. Und zum Abschluss das Verlassen des Lagers.

Das Motorrad und ich waren problemlos in Chile angekommen und der ersten kurzen Tour lag nichts mehr im Wege. Diese führte über Casablanca auf Nebenstraßen und erste kleine Pässe der Cordillera del Costa nach Santiago. Erste Erlebnis mit gelöcherten Straßen, nicht geteerten Kurven und attackierenden Hunden zu Nachtzeiten ließen auch den ausklingenden Tag nicht langweilig werden. Um 22 Uhr waren Motorrad und ich heile in Santiago angekommen.

Ein großer Dank geht an Iván von Planet Transport Ltd., der das gesamte Prozedere in Valparaíso super begleitet und mich in die Lagerprozedur gut eingewiesen hat.