Hunde

In Chile (und wohl in ganz Südamerika) gibt es viele Hunde. Sie unterscheiden sich in Straßenhunde, also frei laufend ohne offensichtlichen Besitzer, und Hunde mit festem Wohnsitz. Vor meiner Reise war mir das gar nicht bewusst – auch nicht ihr Verhalten auf der Straße. Das sollte sich jedoch gleich am ersten Tag meiner Motorradreise beim Abholen der Maschine aus dem Lager ändern. Hunde haben die Eigenschaft, ihr Territorium zu verteidigen. Das ist bei (eingezäunten) Hunden mit festem Wohnsitz eigentlich kein Problem. Sie bellen zwar immer, bleiben jedoch in der Nähe Ihres Gebietes. Freilaufende Hunde sind tagsüber ebenfalls recht handsam, verwandeln sich des Nachts oder während der Dämmerung in Bestien, die Autos und Motorräder heftig bellend anspringen. Zuerst dachte ich, der „Feind“ der Hunde wäre das Gefährt an sich, bis mich die Gastmutter meiner Familie der Sprachschule aufklärte und mir eine interessante morgendliche Begegnung mit einem Hotelhund dies bestätigte. Es sind schlichtweg die Reifen, die die Gemüter der Perros (span. für Hunde) so erhitzen. Bei langsamer Fahrt stand der Hotelhund im Weg und ich musste das Motorrad deswegen zum Stehen bringen. Auf einmal fängt der Hund an, die Reifen anzubellen und anschließend in die Reifen zu beißen. Gegen dieses Attacken hilft dann nur beherztes Weiterfahren.

Abends finden die Attacken dann meistens in Rudeln (zwei oder drei) Hunde statt. Bisher floss der Verkehr immer und wenn sich eine Attacke abzeichnet, so konnte ich bisher immer richtig Gas geben, um den das Motorrad anspringenden Hunden zu entwischen. Wie das bei stehendem Verkehr ist, möchte ich mir noch nicht ausmalen.

Manchmal finden entsprechende Attacken auch tagsüber statt, z.B. an Schnellstraßen. Im einen Augenblick liegen die Tiere noch friedlich am Straßenrand in der Sonne, im nächsten jagen sie einem schon quer in das Motorrad rein. Übrigens werden auch Radfahrer angegriffen, was wohl die Tatsache erklärt, dass es nicht so viele Radfahrer gibt.

Es gibt auch Übergänge zwischen den beiden Hundetypen. Traurig ist die Verwandlung von Haushund zu freilaufendem Hunde, denn diese wurden von ihren Besitzern meist ausgesetzt und finden sich nicht zurecht. Freilaufende Hunde können andererseits auch temporär zu „Hunden mit Territorium“ werden. Das Territorium ist dann die Straße und der Bewacher postiert sich dann mitten auf dem Gebiet. Beim ersten Mal bin ich auf den Hund zugefahren, was zu beschriebenen Attacken führte, seitdem fahre ich einen Bogen.

Diese ganze Geschichte führte übrigens zu der ersten tiefgreifenden Entscheidung, die ich für die Reise traf: Möglichst keine Fahrt in der Dunkelheit.

Chile Hund 2015

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