Die Diva schlägt zurück

Südamerika liegt zwei Jahre zurück. 2016 bis jetzt war nicht so fahrintensiv. Vielmehr ging es um Ziel und Sinnfindung im Berufsleben. Dennoch: Die 140.000 km habe ich letztens geknackt.

Letztens war ich mit einem Freund auf einer Münchner Standardtour unterwegs – will heißen: gen Alpenpanorama. Das Ziel habe ich nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen diesmal auch erreicht. Es war die Eng-Alm. Sie liegt am Ende einer Stichstraße in Österreich und ist nur aus Deutschland aus erreichbar. Vielleicht klingt die Abgelegenheit auch bereits durch. Sie ist nämlich von irgendwann im September/Oktober bis zum April oder Mai geschlossen. Ich kann es mir nicht merken und stehe dann immer wieder vor verschlossener Mautstraße.

Diesmal war die Straße offen und das Wetter auch noch schön. Neben der schönen Landschaft gibt es auf diesem Weg ins abgelegene Österreich ein weiteres Schmankerl: Den Käse aus dem almeigenen Laden. Die warme Sonne sorgt dann auch zuverlässig dafür, dass man beim Öffnen des TopCases auch nach Ausladen der Käselieferung zurück in München später immer wieder daran erinnert wurde.

Der Weg zurück gestaltete sich abwechslungsreicher als gedacht. Zugegeben, der Münchner Süden ist schon sehr ausgelutscht, was „unentdeckte“ Winkel angeht. So braucht es wieder meine Diva (Spitzname aus Südamerika für die R1150GS), um für entsprechende Abwechslung zu sorgen. Diesmal ist es die Kupplung. Zwischen Starnberger See und Ammersee schleichen sich zuerst leise Zweifel an meiner Gas-Kupplungskoordination ein. Diese machen relativ schnell jedoch der Erkenntis Platz, dass der Kupplungsweg immer länger wird. Und münden in der Tatsache, dass das Kuppeln nicht mehr möglich ist. Mit letzter Kraft drückt mein Fuss die Gänge hinunter, und die Diva kommt zum Stehen.

Outback ist relativ, Services sind es nicht: Eine Erkenntnis, die sich beim Versuch erhärtet, den ADAC zu erreichen. Nach ein bisschen Herumlaufen im Ort findet sich eine funktionierende Funkzelle, in der der Abschlepper geordert werden kann. Die Situation errinnert mich an einen mongolischen Film, in dem mitten in der mongolischen Steppe durch Handy-Hochwurf versucht wird, eine SMS erfolgreich abzusenden. Leider erschwert diese Ansatz die mündliche Kommunikation.

Ich erinnere mich zurück an Chile und Argentinien, wo die Organisation eines Transports zwischen 30 Minuten (Pampa) und sieben Tagen (Cochrane) gedauert hat. Rein statistisch liegt der ADAC mit seinem Abschlepper in dazwischen (knapp zwei Stunden).