Der Weg in die Box

Auf der Strecke in Richtung Süden teste ich sporadisch den Status des Antriebs und kann mit fortschreitender Reise immer weniger das störende klockende Geräusch feststellen. Das Motorrad hat also doch seinen eigenen Willen und auf die Frage, die mir in diesen Tagen einmal gestellt wurde, ob das Motorrad einen Namen hat, antworte ich: „Diva“. Auch Tage nach der Rückgabe des Motorrads werde ich mir häufiger die Frage stellen, ob die Umkehr in San Pedro de Atacama die richtige Entscheidung war. Und die Antwort wird jedes Mal lauten: Mit dem damaligen Wissen, Ja – wenn auch mit einem weinenden Auge. So wird der Weg zurück zur Verladung des Motorrads ein Weg des Abschieds vom Motorradfahren auf diesem Kontinent für diese Reise. Rückblickend habe ich dieser kurzen Zeit sehr viel erlebt und gesehen, ein wahres Abenteuer. Es werden knapp 14.000 Kilometer Reisestrecke in Südamerika sein.

Da das störende Geräusch wieder weg ist, fahre ich auf der Rückreise nicht mehr, wie ursprünglich angedacht, den direkten Weg sondern erkunde noch einige Täler, Nationalsparks und Schotterpisten. Ich konnte es natürlich auch nach der Entscheidung, Asphalt zu fahren, nicht lassen, dennoch Nebenstraßen zu nehmen. In der Tat liegt die Piste mit der wohl schlechtesten Qualität auf meiner Rückreise nach Valparaíso. Das Motorrad kommt so nochmal richtig in sein Element und darf die Endurostärken ausspielen. Dabei entstehen wieder viele schöne Fotos von der Landschaft Chiles.

Und nachdem mich vor einigen tausend Kilometern der linke Blinker verlassen hat, folgt ihm der rechte Blinke auf dieser Strecke auf dem gleichen Weg. Bleiben mir also nur noch Arme und der Warnblinker, der – so ist es glücklicherweise üblich in Chile – genutzt wird, um das Anhalten auf der Straße anzukündigen. Ich mache wiederholt gebraucht davon, denn insbesondere abends und nachts sind die Arme nicht unbedingt gut sichtbar.

In Vina del Mar angekommen geht die Übergabe des Motorrads für den Rücktransport vergleichsweise schnell von statten. Die ursprünglich geplanten zwei Tage verkürzen sich auf einen Tag, da die Transportfirma einen anderen Weg für den Export wählt und ich ihr eine Vollmacht hierfür ausstelle. Somit muss ich beim eigentlichen Exportvorgang beim chilenischen Zoll nicht mehr anwesend sein. Allerdings hat die Sache einen Haken. Wenn ich das Land für meine weitere Reise nach Argentinien verlasse, wird das Motorrad lediglich im Lager stehen, aber noch nicht offiziell exportiert worden sein. Schlussendlich steht bei mir in der Einreisekarte also immer noch „mit Motorrad eingereist“ – Vollmacht hin oder her – und eigentlich dürfte ich das Land noch nicht problemlos verlassen können. Vor der Abgabe des Motorrads schließe ich den Kreis und fahre nochmal kurz nach Casablanca, meinen ersten Stopp nach der Übernahme des Motorrads. Die Auswahl der Dinge, die mit zurück nach Deutschland gehen und welche ich für die weitere Reise benötigen werde, habe ich bereits in Maitencillo vor zwei Tagen getroffen. Die Koffer sind umgepackt, so dass das Verstauen in der Transportkiste sehr schnell geht.

Es bleibt mir also ein weiterer Tag, Vina del Mar zu erkunden und an der Küste spazieren zu gehen. Chile spielt wieder im Copa America 2015 und der Abend wird zu einem richtigen Event. Ganz Vina ist auf der Straße und feiert, denn Chile gewinnt.

Die weitere Reise in Argentinien ist auch bereits gebucht. Es geht mit dem Flugzeug nach Buenos Aires, der Metropole von Südamerika. Was ich in den übrig gebliebenen zwei Wochen noch alles erkunden werde… wird sich zeigen. Bereits in San Pedro de Atacama kurz nach der Entdeckung des störenden Geräusches kam mir die Idee mit dem Alternativplan Argentinien. Allerdings musste ich den Reiseweg so gestalten, dass er auch wetterunabhängig ist und ich hin und zurück komme, denn es herrscht immer noch Winter und alle Pässe können wochenlang wegen Schnee geschlossen sein. So fiel die Wahl auf den Luftweg.

Und der Blog? Der wird weiterleben. Zwar ändert sich das Reisemittel, doch Fotos und abenteuerliche Erlebnisse, so viel kann ich bereits jetzt verraten, gibt es weiterhin.