Cochrane nach Coyhaique

Nach dem Feststellen des Defektes an meinem Hinterrad ist eine abwechselungsreiche Woche vergangen. Der erste Schritt war die Suche nach einer geeigneten Unterkunft, in der ich für einige Tage angenehm und gemütlich wohnen kann – wenn schon das Motorradfahren nicht geht. Mit dem Residencial Sur Austral hat sich tatsächlich eine sehr schöne Unterkunft ergeben.

Dann ging es los, den Schaden zu beheben, zuerst einmal durch die Suche nach einem Mechaniker. In einem 1000-Seelen-Dorf am Ende der Welt nicht ganz so einfach. Von Dreien hat zumindest einer vorgegeben, fähig zu sein, allerdings hatte er nicht sofort Zeit.

Damit blieb also Zeit, sich um die Ersatzteile zu kümmern. Vorher wollte ich allerdings wissen, was genau der Schaden ist und habe das Hinterrad mit Bremse abmontiert, um das Ausmaß zu besichtigen. Es war schlimmer als gedacht. Sowohl Lager als auch Dichtung waren defekt. Nach telefonischer Rücksprache mit MotoAventure in Osorno kümmerten sie sich um die Beschaffung der Ersatzteile. Mein Mechaniker in Deutschland stand mir ebenfalls mit Rat beiseite. Der besagte Mechaniker in Cochrane konnte abends natürlich nichts unternehmen.

Schnell stellte sich zumindest heraus, dass ein Transport des Motorrads nach Coyhaique die Chancen für einen Weitertransport zu einer BMW-Werkstatt oder einer ordentlichen Reparatur deutlich erhöhen würden. Dafür hatte der Busfahrer des unterkunftseigenen Busunternehmens einen Tipp. Am nächsten Tag würde ein LKW nach Coyhaique fahren.

Der Preis des Transports mit 150 EUR war mir zu hoch. So viel wollte ich nicht ausgeben. Demzufolge ging die Suche nach einem Transport weiter. Mit weiteren Tipps von den Busfahrern, mit denen ich abends im Residencial ins Gespräch kam, oder von Restaurantbesitzern oder Transportunternehmen oder Bauunternehmungen verging die Woche. Eines der Bauunternehmen kündigte an, es würde am Sonntag einen defekten PickUp nach Coyhaique überführen und mein Motorrad könnte ebenfalls transportiert werden. Das hörte sich vielversrechend an.

Die Ersatzteile für die Reparatur standen in Santiago bereit und konnten versendet werden. Ich entschied mich für Cochrane als Zielort. Die Versendung fand über CorreoChile statt, über die mir bereits berichtet wurde, dass Lieferungen schon mal zwei Wochen benötigen würden. Mit der Sendungsverfolgungsnummer konnte ich prüfen, wo die Sendung war.

Am Freitag kristallisierte sich heraus, dass die Ersatzteile den Weg von Santiago nach Coyhaique in 24 Stunden geschafft haben, dort dann allerdings liegen geblieben sind. Ebenfalls konkretisierte sich der besagte Transport des Motorrads für Samstag oder Sonntag. Es ergab sich also ein Wettrennen zwischen Transport und Ersatzteilen.

Die Natur sollte nun ein weiterer Faktor im Spiel werden. Unter der Woche hat es in Patagonien recht stark geregnet und in höheren Lagen geschneit. Das führte schlussendlich zu einer Sperrung der Straße zwischen Cochrane und Coyhaique. Somit war es ungewiss, wann und in welcher Reihenfolge Transport und Ersatzteilankunft stattfinden würden.

Der Transport des Motorrads hatte Priorität gegenüber den Ersatzteilen, denn diese könnte ich immer noch selbst innerhalb von zwei Tagen holen oder mir per Bus aus Cochrane bringen lassen. Am Freitag hieß es, am Samstag um neun würde der Transport verladen. Am Samstag wurde dann aus neun Uhr Nachmittag. Dann allerdings fand tatsächlich die Verladung des Motorrad wurde auf einen PickUp statt. Sehr vielversprechend. Allerdings war die Straße nach Coyhaique gesperrt. Ob es Sonntag oder Montag klappen würde, war ungewiss.

Auf Standby ging ich zurück in mein geliebtes Residencial Sur Austral und schlief dort eine weitere Nacht. In der Annahme, die Straße sei gesperrt, ließ ich den Sonntag ruhig angehen. Doch dann ging es flink. Innerhalb von 30 Minuten ging es auf die Straße nach Coyhaique. Motorrad und der Transport des defekten Autos starteten drei Stunden später, ich fuhr im ersten Fahrzeug mit.

Warum fuhr das erste Fahrzeug so früh los? Wie sich herausstellte, war die Straße tatsächlich durch Wasser weggespült worden. Als wir ankamen, würde parallel zur Straße gerade eine Furt geebnet, so dass es schnell weiterging. Somit war für die Transportfahrzeuge klar, dass es trotz Straßenschildern mit „Carretera cortado“ (Straße gesperrt) und entsprechenden Radiodurchsagen einen Weg nach Coyhaique gab.

Heute bin ich in Coyhaique und werden morgen versuchen, dass hoffentlich noch hier liegende Paket mit den Ersatzteilen aus dem Postweg herauszuziehen. Ebenfalls steht die Suche nach einer Werkstatt an und der Kauf neuer Schuhe… Das Motorrad kommt abends augenscheinlich unbeschädigt an, einschließlich der Koffer, die unbefestigt auf dem PickUp lagen.

Nachtrag am Montag: Die Ersatzteile sind weder in der Post in Coyhaique noch bei Buses Don Carlos aufzufinden. Wenn ich es richtig verstanden habe, wurde für den Courierdienst aufgrund der Straßensperrungen ein anderes Fahrzeug als Buses Don Carles verwendet. Jetzt heißt es Warten auf die Ersatzteile. Dagegen verlief die Suche nach einem Mechaniker schnell. Auf Empfehlung eines Restaurantbesitzers habe ich eine Werkstatt an der Hand, die auch BMWs repariert (für Interessierte: Ecke Calle Lillio con Calle Bilbao).

Cochrane

Cochrane nach Coyhaique