Bei Rückenwind keine Motorkühlung

Das Motorrad ist repariert. Es geht weiter von Coyhaique nach Argentinien. Nach Rücksprache mit dem lokalen und meinem münchner Mechaniker – letzterer hilft mir aus seinem Urlaub heraus und wird auch in den nächsten Tagen ein wichtiger Ansprechpartner sein. Aber alles der Reihe nach. Das Hinterradlager sowie der Dichtring sind ausgetauscht. Übrig bleibt noch das Spiel im Kardan, das noch etwas warten kann. Der Plan ist, dies in Neuquen, Argentinien, durch BMW richten zu lassen.

Es ist schön, wieder fahren zu können. Das Motorrad läuft rund, in den Füßen an den Fußrasten spüre ich keine Unruhen des Motorrads mehr. Das Wetter reist auf und es ist sehr schön. Nach einigen Kilometern Asphalt kommt wieder Schotterpiste, die ich jetzt noch vorsichtiger fahre. Die Fahrt auf dem Weg zur Grenze nach Argentinien ist sehr ruhig, denn aufgrund des Streiks der Zollbeamten, queren wenige Personen, den sowieso weniger häufig befahrenen Grenzübergang. Auf Rückfrage bei den Carabineros in Coyhaique hatte ich erfahren, dass der Zoll nicht durchgehend streikt, sondern stundenweise regulär arbeitet. Somit steht der Zollabwicklung an der Grenze auch nichts mehr im Wege. Die Ausreise geht sehr schnell.

Zwischen den Grenzstationen von Chile und Argentinien liegen sechs Kilometer. Hier ändert sich bereits die Landschaft und das argentinische Patagonien zeichnet sich ab. Es ist eine sehr weite, weniger bergige und sehr kahle Landschaft mit wenig Bewuchs und kaum Besiedlung. Das Patagonien in Chile dagegen ist hügelig und bergig mit sporadischer Besiedlung. Das weite Patagonien in Argentinien bot dann auch endlich den von meiner Gastfamilie in Santiago angekündigten Wind, der sich über die unbewachsenen und flachen Weiten sehr gut entfalten kann. Bei einem längeren Stopp zwischen den Grenzposten wird es schnell kalt.

Die Einreise nach Argentinien braucht etwas länger. Anscheinend benötigt der argentinische Zoll, der den temporären Import des Motorrads verantwortet, das chilenische Pendant des entsprechenden Dokumentes. Davon habe ich nur eine Kopie, die allerdings im Feld für den Import nach Chile keinen Stempel und kein Datum trägt, was mich selbst im Nachhinein wundert. Nach einigem Hin und Her geht es dann doch und ich kann weiterfahren.

Meine der Schotterpiste und dem Alter des Motorrads angepasste Geschwindigkeit mit dem Rückenwind führt dazu, dass die Luftkühlung nicht funktioniert und das Motorrad sich trotz Bewegung heiß fuhr. Dies bedingt einige Zwischenstopps, so dass das Tagesziel Rio Mayo nicht mehr erreichbar ist und ein wildes Camping ansteht.

An der Seite der breiten argentinischen Schotterstraßen gibt es regelmäßig Wende- und Stellplätze. Auf einem dieser schlage ich mein Zelt auf und wähle bewusst einen etwas geschützteren Standpunkt, was sich in der Nacht als sinnvoll erweist, denn der Wind ist zeitweise extrem stark und reist heftig am Zelt. Nach meinem erfrischenden Zelterlebnis in der Nähe von La Junta sorge ich bei der Kleidung vor und ziehe bereits beim Schlafen gehen sehr viele Lagen an. So wird es dann erst morgens um sieben spürbar zu kalt. Beim Abbau des Zeltes fällt mir auf, dass sich auf der Zeltdach Eis gebildet hat – es wird also langsam Winter in Patagonien. Zeit für mich, endlich wieder nach Norden zu fahren.