Auszeit von der Auszeit

Eigentlich sollte es nur ein kurzer Stopp zum Prüfen des Luftfilters und zum Kaufen von Motoröl werden. In Villarrica wurde ich in einem Cafe von einem Chilenen auf meine Motorradklamotten angesprochen. Wir kamen ins Gespräch und angesichts der Vulkanasche in der Luft sprachen wir vom Filterwechsel. Dafür gab er mir die Adresse einer Werkstatt in Osorno – der letzten Werkstatt vor der Carretera Austral und dem ganzen Süden von Chile.

Heute bin fahre ich dorthin und prüfe den Filter. Ein wenig ist er mit Asche zugesetzt, aber ein Tausch ist allerdings nicht notwendig. Und das richtige Motorradöl haben sie nicht. Nach dem Einbauen des Filters und dem Aufsetzen der Sitzbank gehe ich nochmal um das Motorrad und schaue es mir an. Dabei fällt mir Öl an der vorderen linken Federgabel auf. Wie sich herausstellt, ist doch tatsächlich der Dichtungsring defekt und muss getauscht werden. Die Werkstatt hat das Ersatzteil nicht auf Lager, da das Modell R1150 GS etwas älter ist, kann es jedoch von Santiago senden lassen. Der Sicherheit halber lasse ich beide Dichtungsringe wechseln. Ob die Lieferung allerdings bis morgen, 30. April, klappt  ist fraglich. Der 1. Mai ist ein Feiertag, ggf. hießt es also Warten bis Montag.

Nichtsdestotrotz ist es Glück im Unglück, direkt auf dem Hof der einzigen BMW-Werkstatt in Südchile eine Defekt feststellen zu dürfen, der repariert werden kann.

Ursache des Lecks ist wohl ein Schlagloch von gestern. Nach dem Start in Los Lagos ging es über Niebla und einer kurzen Fährfahrt an eine wunderschöne Küste zwischen Corral und Chaihuin, einschließlich eines Abstechers in das Landesinnere. Da es keinen direkten Rückweg nach Corral gab, ging es die gleiche Strecke zurück. Dies und der folgende schöne Schotterpiste nach Los Guindos brachten den Zeitplan etwas durcheinander, so dass die anschließende Fahrt nach Süden nach La Union etwas schneller ging, um nicht ganz in die Nacht zu kommen und Opfer der Hunde zu werden. Die Straße war ein Mix aus Betonpiste und Schotter einschließlich vereinzelter Schlaglöcher. Eines davon hat den Dichtungsring wohl auf dem Gewissen.

Der Tag selbst begann mit einer winzigen Flussfähre, die per Hupe vom anderen Ufer gerufen wird. Mehr als ein Auto oder ein Motorrad passen auf das Schiff auch nicht drauf. Der Fährmeister war noch etwas müde und hatte beim ersten „Rufen“ das Motorrad nicht gesehen und wohl deswegen nicht die Fähre sondern sein Ruderboot für einen reinen Personentransport genommen. Mitten auf dem Fluss bemerkte er seinen Irrtum, drehte um und kam mit der richtigen Fähre.

Und was die Hunde angeht, so hat sich die Angst angefallen zu werden, gelegt. Nach mehreren Attacken auf das Motorrad ist mir immer noch nichts passiert, so dass ich das ganze etwas gelassener angehen kann.

Die „Auszeit von der Auszeit“ gibt mir jetzt die Gelegenheit, den Blog zu pflegen, nach Hause zu skypen und wichtige Einkäufe wie Motorradöl oder Trinkflasche zu erledigen. Ob es ein oder fünf Tage Unterbrechung sind, wird sich morgen herausstellen.

2 Kommentare zu „Auszeit von der Auszeit

Kommentare sind geschlossen.