Argentinien – Brasilien – Uruguay – Argentinien

Nach gefühlt vielen Reisetagen und knapp 3500 Kilometern Reisestrecke sitze ich gerade in einem schönen Hostel in Montevideo und bin froh, länger als 24 Stunden an einem Ort zu sein, trockene Füße zu haben und in einem Bett zu schlafen. Vor dem Flug nach Buenos Aires und in der Stadt habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, wie es weiter geht. Entweder erkunde ich den argentinischen Nordosten mit Cordoba, Salta und Catchi. Oder die Iguazu-Fälle und einen Teil von Brasilien und Uruguay. Schnell wird klar, dass die Distanzen beider Varianten monströs sind. Mit dem Wort „riesig“ wären sie untertrieben.

Da ich die Iguazu-Fälle gerne sehen möchte, buche ich einen Nachtbus dorthin. Die Fahrt wird um die 16 Stunden dauern. Meine letzte längere Busfahrt mit 27 Stunden von Brisbane nach Mount Isa liegt acht Jahre zurück und es hat sich einiges getan in Sachen Komfort. In den Klassen Cama oder Semi-Cama kann man den Sitz fast ganz zurücklehnen und gut dösen oder etwas schlafen. Im argentinischen Bus nach Iguazu gibt es sogar Abendbrot, Frühstück und Mittagssnack, wobei die Reichhaltigkeit in dieser Reihenfolge abnimmt. Zum Abendbrot wird sogar Wein serviert (Malbec San Florentina 2014). In den nächsten sechs Tagen werde ich vier solcher Nachtbusfahrten unternehmen, allerdings gibt es in den folgenden kein Essen.

Im Dreiländereck Argentinien-Paraguay-Brasilien liegt die Stadt Puerto Iguazu, die Ausgangspunkt für den Besuch der Iguazu-Fälle sind. Wie alles andere auf diesem Kontinent ist auch diese Attraktion äußerst beeindruckend. Ganze Vorhänge riesiger Wassermassen fallen bis zu 80 Meter in die Tiefe. Die Gischtentwicklung ist enorm und bei einer Bootsfahrt werde ich – versprochenermaßen – komplett nass. Für die Erkundung der argentinischen Seite verbringe ich fast einen Tag bei den Fällen.

Nach den Iguazu-Fällen gibt es zwei Möglichkeiten, weiter zu reisen. Entweder geht es in Richtung Westen nach Salta und Catchi oder nach Brasilien und Uruguay. Aufgrund der geringeren Distanz entscheide ich mich für die östliche Runde und fahre nach Curitiba in Brasilien. Dort gibt es in Richtung Küste nämlich die spektakulärste Eisenbahnstrecke durch den Urwald. Der Wege dorthin wird eine Nachtbusfahrt. Eigentlich war der Plan, mit einem Transferbus nach Brasilien in die dortige Grenzstadt zu fahren und anschliessend den Bus nach Curitiba zu nehmen. Auf dem Busbahnhof in Argentinien entdecke ich allerdings einen Anbieter für die gesamte Fahrt und buche diese. Und da der Taxifahrer über die Grenze die ein- und ausreise abwickelt, muss ich nicht einmal persönlich zu den Grenzbeamten.

In Puerto Iguazu greift der Verschleiß der Bekleidung wieder zu. Die Sohle des linken Schuhs löst sich vorne komplett ab und schleift. Da ich keine anderen Schuhe dabei habe außer den Flip Flops, muss ich mir etwas einfallen lassen. Schuhe kaufen kommt nicht in Frage, denn weltweit gilt grundsätzlich das Gesetz des wohl proportionierten Körpers. Das heißt, kleiner Mensch, kleine Füße, großer Mensch, große Füße. Und wer schon einmal in Südamerika und Mittelamerika gereist ist, kann sich vielleicht denken, worauf ich hinaus will. Bis auf einen Outdoor Ausstatter bieten alle Geschäfte in Santiago, Montevideo, Buenos Aires, … nur Schuhgrößen bis 45 für Männer an. Zu klein für mich. Das heißt also: Schuhe reparieren. Und ich greife auf einen Tipp eines Co-Reisenden aus der Sprachschule in Santiago zurück. Nähen mit Zahnseide. Vorher muss ich noch Nadeln kaufen und werde in gewohnter Manier von einem Geschäft zum nächsten geschickt. Das Nähen gestaltet sich schwierig, bin ja kein Schuster, und ich muss auch erst eruieren, wie es am Besten geht. Zum Einsatz kommt auch der Leatherman, den ich mir 1998 in dem USA gekauft habe. Zum Schluss sind die Schuhe repariert und halten bis Panama – dort wird es Ersatz geben. Einzig die weißen Fäden fallen „etwas“ ins Auge.

Die Zugfahrt von Curitiba nach Morrets durch den Urwald ist spektakulär. Die Strecke ist im zweiten Abschnitt komplett entlang eines Hangs gebaut und überquert immer wieder hohe Schluchten. In Curitiba genieße ich die gut erhaltenen kolonialen Gebäude.

Auf der Hinreise lerne ich im Zug ein österreichisches Pärchen kennen, das mit seinem Campervan Südamerika bereist. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus und ich merke schon jetzt, wie mir meine BMW fehlt. Das Reisen war ein komplett anderes. Ich hatte viel mehr Freiheiten, konnte jede Wunschstrecken nehmen oder nach Belieben anhalten. Auch bringt einen das Reisen mit Auto oder Motorrad viel näher an die Bevölkerung ran. Im Laufe der vergangenen Monate und der noch kommenden Wochen wird mir immer wieder bewusst, mit wie viel Distanz zur Bevölkerung man doch in Busen, Hostels und Touren reist. Es fühlt sich wie ein eigener abgekapselter Lebensraum an. Dem zu entkommen bedarf es einiger bewusster Entscheidungen, gewisse Dinge nicht zu tun, z. B. übernachten in Hostels oder das reisen mit organisierten Touren. Schlussendlich weiß ich schon jetzt: Mir gefällt das Reisen mit eigenem Gefährt deutlich besser.

In Brasilien wird mit noch ein weiterer Punkt bewusst. Portugiesisch ähnelt Spanisch zwar, ich verstehe allerdings kaum etwas. Auch die Sprache ist eine Barriere zur Bevölkerung, und das sprechen der Landessprache öffnet einem doch immer wieder Wege und Möglichkeiten, und sei es nur die Offenheit der Menschen, die ungezwungen mit einem reden können.

Von Curitiba geht es etwas später wieder zurück und dann mit dem Bus direkt weiter nach Porto Alegre, meine nächster Zwischenstopp auf der Reise nach Uruguay. Für diesen Abschnitt in den Süden gibt es mehrere Alternativen. Porto Alegre ist die schnellste, aber in Curitiba kann ich nicht in Erfahrung bringen, wann und ob dort die Busse nach Montevideo fahren. Es sollte aber ein Bus fahren, so dass ich mich für diesen Weg entscheide.

Porto Alegre ist eine Stadt der Gegensätze. Es besitzt einen schönen Stadtkern, allerdings sind auf dem Weg vom Busterminal dorthin einige Straßen zu durchqueren, die ich nachts nicht betreten möchte. Ich komme morgens an und fahre abends weiter, so dass es keine Probleme gibt. Porto Alegre ist eine sehr untouristische Stadt, was mir gefällt, da man das Leben hier unverzerrt wahrnehmen kann. Hier und auch an anderen Stellen der Reise stelle ich fest, dass eine fehlende touristische Infrastruktur viele Vorteile hat. Als Reisender wird man natürlich als Fremder wahrgenommen, aber die gegenseitige natürliche Neugier ist deutlich größer als in touristischen Gegenden.

Abends besteige ich in Porto Alegre den Bus nach Montevideo und beginne meine vierte Nachfahrt innerhalb von sechs Tagen. Das führte dann schlussendlich auch zu den einleitenden Worten dieses Blog-Eintrags. Innerhalb von zehn Tagen bereise ich drei Länder, bezahle mit drei Währungen und lege 3500 Kilometer mit dem Bus zurück.

In Montevideo angekommen, schalte ich fünf Gänge zurück und genieße die Ruhe. Montevideo kommt mir von Menschenschlag sehr europäisch vor. Gerne hätte ich noch das Hinterland erkundet aber dafür fehlt die Zeit und die Energie.

Als nächster Reiseabschnitt steht Panama mit meiner Freundin an. Dies war von anfangs an geplant, so dass der Flug von Santiago nach Panama Stadt bereits seid langem feststand und ich also von Montevideo zuerst nach Santiago reisen werde. Der komplette Weg nach Panama dauert zwei Tage und läuft wie folgt. Früh morgens geht es mit dem Micro (Stadtbus) zum Busterminal. Mit dem Reisebus geht es nach Colonia. Von Colonia geht es mit dem Schiff nach Buenos Aires. Mit dem Transferbus geht es zum Flughafen. Mit den Flugzeug geht es nach Santiago. Dort komme ich spät abends an und nehme den Transferbus in die Stadt und laufe zum Hostel. Viel Zeit zum Schlafen bleibt nicht, denn ich muss früh raus, um den ersten Transferbus zum Flughafen zu erreichen. Mit dem Flugzeug geht es nach Bogota. Und dann geht es… erst einmal gar nicht weiter. Dann Flugzeug hat ein technisches Problem und nach einem Reparaturversuch funktioniert es immer noch nicht. Insgesamt dauert es sieben Stunden bis ein Ersatzflugzeug bereit steht und ich nachts nach Panama Stadt fliegen kann. Mit meiner Freundin glücklich vereint nehmen wir ein Taxi zum Hostal, wo glücklicherweise noch die Tür geöffnet wird, obwohl es bereits nach Mitternacht ist.

PS: Es hat einige Zeit gedauert bis ich diesem Eintrag fertiggestellt habe, viele von euch haben bereits sorgenvoll nachgefragt. Es ist alles in Ordnung. Wie ihr sicher bemerkt habt, datiere ich die Einträge zurück, so das Reiseabschnitt und Datum passen. Jetzt bin ich bereits in Peru und versuche aufzuholen.

PPS: Zur Reise mit dem Rucksack habe ich das Gepäck deutlich verkleinert und einiges mit nach Deutschland gegeben, unter anderem auch das Tablet, mit dem ich bisher die Blog-Einträge komfortabel schreiben konnte. Jetzt passiert das mit dem Handy und ich bitte Rechtschreibfehler zu entschuldigen. Auch das Thema Bilder hochladen ist noch nicht ganz geklärt. Ich arbeite dran.